GLASSMAN-LASSALLE  ZEN-LINIE

ZEN

Zen ist ein meditativer Weg, der seinen Ursprung in der Erkenntnis Siddharta Gautama Buddhas hat, dass sich unser seelisches Leiden mit der Einsicht in die Beschaffenheit unseres Ichs auflöst. Sobald wir erfahren, dass alle Geistesformen und Dinge in sich substanzlos und leer sind und also eins mit allem anderen, werden wir frei. Buddha hat die Natur des Selbst erkannt und ist erwacht. Das Erleben der Wechselbeziehungen aller Erscheinungen und mithin ihrer Leerheit führt zu natürlichem Mitgefühl und einer mit dem "Sosein der Wirklichkeit" fliessenden Lebenshaltung.

Zen entstand im alten China in der Verbindung von Buddhismus und Daoismus und gelangte im letzten Jahrhundert aus Japan in den Westen. Zen ist eine Haltung, die auf die lebendige Erfahrung der Wirklichkeit ausgerichtet ist. Sitzend in der Stille erkennen wir die Weite unseres Daseins. Wir werden unserer grenzenlosen Natur gewahr, und unsere Sicht auf die Welt öffnet sich. Eins mit den Umständen, zeigt sich in uns und allem das Leben als erfüllendes Mysterium. Im Zen wird offenkundig, dass wir mehr sind, als wir denken. Wenn hindernde Selbstbilder und Urteile wegfallen, findet sich eine grosse innere Freiheit. Darin zeigt sich der umfassende und ungetrennte Charakter aller Existenz - alles ist eins, eins ist alles. Diese Erfahrung kann jedem Menschen unabhängig von seinem kulturellen Hintergrund zufallen.

GEMEINSCHAFT

Die Glassman-Lassalle Zen-Linie ist eine selbstverwaltete Körperschaft Zen-Lehrender, die in ihren Zendo und in weiteren Bildungshäusern Kurse anbietet. Wir pflegen einen regelmässigen Austausch und sind einem Ethik-Code verpflichtet. Zen, wie wir es verstehen, ist frei von Dogmen und nicht an einen Glauben gebunden.

Das Verständnis des Zen und die Ausrichtung der Zen-Linie, seine Lehrformen, die Kursgestaltung, die Aufnahme neuer Zenschüler*innen, die gemeinsame Webseite, der Newsletter ZenPuls und weitere Vermittlungsaufgaben werden von den Sensei Roland Frick, Jürg Heldstab, Roland Hischier, Jürgen Lembke, Ursula Popp, Kathrin Stotz, Klaus-Peter Wichmann und Peter Widmer verantwortet und gestaltet.

Im Februar 2026 haben Niklaus Brantschen Rōshi und Dieter Wartenweiler Rōshi die Leitungsfunktionen der Zen-Linie vollumfänglich an das Team der acht Sensei übergeben, welche sie in demokratischem Geist weitertragen. Die beiden Zen-Meister ziehen sich nach Jahren des tragenden Engagements altershalber aus der operativen Leitung und der spirituellen Prägung der Zen-Linie zurück. Sie nehmen keine neuen Zenschüler*innen für den Koan-Weg mehr auf.
Die Ernennung von neuen Rōshi erfolgt gemäss der alten Zen-Tradition weiterhin durch den Zen-Meister.

 

Unsere Zenlehrerinnen und -Lehrer:
v.l.n.r. Peter Widmer, Jürg Heldstab, Roland Hischier, Ursula Popp, Klaus-Peter Wichmann, Jürgen Lembke, Roland Frick, Kathrin Stotz

 

GESCHICHTE

Die Glassman-Lassalle Zen-Linie ist durch eine Verbindung von Soto- und Rinzai-Zen geprägt und geht auf Hakuyu Taizan Maezumi Roshi (1931-1995), seinen Nachfolger Bernhard Tetsugen Glassman Roshi (1939-2018) und alle vorangegangenen Meister zurück. Wesentliche Inspiratoren sind auch Yamada Koun Roshi (1907-1989) und Robert Aitken Roshi (1917-2010) sowie P. Hugo Makibi Enomiya-Lassalle (1898-1990). Die Linie wurde von P. Niklaus Brantschen Jinju Rōshi (*1937) und Pia Gyger Jinji Rōshi (1940-2014) gegründet und gehört der White Plum Asanga an.  2018 erhielt Dieter Wartenweiler von Niklaus Brantschen Inka Shomei und wurde damit zum Zen-Meister ernannt.

AUTORISIERUNG

In der Zen-Tradition wird die Essenz der Lehre durch einen Meister oder eine Meisterin an nachfolgende Zen-Lehrerinnen und Zen-Lehrer weitergegeben. Das geschieht "von Herzgeist zu Herzgeist" innerhalb einer Zen-Linie, auf welche Art auch neue Meisterinnen und Meister ernannt werden können. Die Ernennung basiert auf der Bestätigung einer tiefen Einsicht in den Kern des Zen, fundierter Kenntnis des Zen-Buddhismus, dem Abschluss der Koan-Schulung, der Fähigkeit, Menschen auf dem Zen-Weg ganzheitlich zu begleiten und Kurse didaktisch gut zu gestalten sowie auf dem Engagement für die Aufgaben innerhalb der Linie.
 


Pia Gyger Rōshi und Niklaus Brantschen Rōshi

Dieter Wartenweiler Rōshi