
Tee-Zeremonie im Zen-Forum, mit Mulan Sun Buschor
Auf der kleinen Theaterbühne erschien an diesem Abend ein bezaubernder Teeraum, dessen Zubehör Mulan Sun Buschor aus ihrer Winterthurer Tee-Schule Kōshin-an (向心庵) nach Zürich mitgebracht hatte. Die Teemeisterin, Zen-Meditierende und Architektin liess uns in der japanischen Teezeremonie Zen im Alltag sinnlich und spirituell erleben.
Mulan wurde unterstützt von ihrem Tee-Kollegen Nico Colic, der selber auf diesem spirituellen Weg unterwegs ist. Gast und Gastgeberin liessen uns am harmonisch fliessenden zeremoniellen Zusammenwirken teilnehmen. So wurde "Chan (Zen) und Tee in einer Einheit" für die Zuschauenden mit allen Sinnen wahrnehmbar. Die Hingabe an die vorgegebenen Abläufe, Gesten und Rituale befreit von Selbstbezüglichkeit, sie führt zu einer Selbstvergessenheit, die auch den Kern des Zen ausmacht.
In vier Kreisen wurden wir anschliessend alle zu Gast und Gastgeber*in, indem wir einander Tee zubereiteten, zum Verkosten des feinen japanischen Gebäcks einluden, das Mulan kreiiert hat, und in den Genuss von Speise und Trank kamen. Der Zusammenhang zwischen Zen und Tee wurde von Mulan gegen Ende des Forums in einem Vortrag angedeutet, der unser Interesse für die Grundlagen des Zusammenlebens im Sinne des Chado (Teewegs) zu wecken vermochte.

Bericht im ZenPuls 04/2026 von Christian Dillo
Ich habe bei Meister Dōgen gelesen: «Was ist der wunderbare, klare und helle Geist? Er ist Berge, Flüsse und Erde, Sonne, Mond und Sterne.» Wie sollen wir das verstehen? Vielleicht sollten wir zunächst fragen: Wo ist der Geist? Die meisten von uns finden als Antwort etwas hinter den Augen oder zwischen den Ohren – einen Innenraum, in dem Gedanken auftauchen und sich Worte bilden. Privat, eingegrenzt, vage mit dem Gehirn gleichgesetzt. Das fühlt sich so selbstverständlich an, dass es kaum als Sichtweise auffällt. Es ist einfach so. Scheinbar. Aber es lohnt sich, ins unmittelbare Erleben zu gehen und genauer hinzuspüren.
Fangen wir mit dem Atem an – nicht als Entspannungstechnik, sondern als Horizonterweiterung. Richte deine Aufmerksamkeit auf die Empfindungen des Ein- und Ausatmens: auf das Zwerchfell, das sich nach unten senkt, auf den sich weitenden Bauch und Brustkorb, auf die Pause, in der sich die Fülle ins Ausatmen und Loslassen verwandelt. Diese Aufmerksamkeit kann spürend durch den gesamten Körper reisen – bis in die Finger, bis in die Zehen. Was findet sich da? Eine Art Lebendigkeit, ein Summen, eine Wärme. Etwas ist unbestreitbar anwesend. Und wo ist das? Das, was sich der Lebendigkeit in deinem linken Fuss gewahr ist, sitzt nicht im Kopf. Es ist dort, wo die Empfindung ist. Jetzt die Sinne. Bemerke im stillen Sitzen das gesamte Sehfeld – nicht nur ein fokussiertes Objekt, sondern alles auf einmal, bis zu den peripheren Rändern. Lass den Klang hinzukommen: das gesamte Feld der Geräusche, den Klang der Stille inklusive. Ebenso den Geruch und die Empfindungen der Haut: ein Luftzug, das Gewicht des Körpers auf der Unterlage. Jedes dieser Sinnesfelder fügt unserer Erfahrung seine eigenen Pinselstriche hinzu – ein Gemälde im Entstehen, unvollendet und vollständig in jedem Moment. Wo ist jetzt der Geist?
Körperempfindungen, Sinneseindrücke und Gedanken erscheinen in etwas, das keine definierten Grenzen hat und niemandem gehört. Das ist kein Verlust. Es ist eine enorme Weitung. Wenn Dōgen sagt, der Geist sei «Berge, Flüsse und Erde, Sonne, Mond und Sterne», spricht er nicht metaphorisch. Er zeigt auf genau das, was du gerade erkundet hast.

Hinweis im ZenPuls 04/2026 von Kevin Hill
In erster Linie begegne ich der Welt als Autodidakt – sowohl in meinem Berufsleben als auch im Umgang mit Alltagsproblemen und besonders in meiner kreativen Arbeit, der Malerei. Es ist definitiv nicht der einfachste Weg, vor allem, was das Lernen betrifft. Doch meinen eigenen Weg zu finden führt – so empfinde ich es – zu einem stabileren Ergebnis. Ähnlich ist es mit meinem Zugang zu den Meditationssitzungen. Die Meditation über Zoom ermöglicht es mir, eine für mich passende Sitzweise zu finden und meine Haltung auf eine leicht unorthodoxe, aber für mich angenehmere Weise anzupassen. Obwohl es sich um eine «Gemeinschaftssitzung» handelt, kann ich zum Beispiel gelegentlich eine etwas lautere Atemübung einbauen, ohne das Gefühl zu haben, jemanden zu stören. Ausserdem lege ich meine Hände lieber getrennt auf die Beine, mit aneinandergelegten Daumen und Zeigefingern, anstatt die klassische Haltung einzunehmen. Ich meditiere jeden Morgen eine halbe Stunde, würde mich jedoch eingeschränkt fühlen, wenn ich dies immer zu einer festgelegten Zeit tun müsste – das entscheide ich lieber spontan. Dennoch halte ich es für sehr wichtig, die Disziplin der wöchentlichen Zoom-Sitzungen beizubehalten. Diese Routine der letzten Jahre hat meinen inneren Frieden deutlich gestärkt. Es gibt mehr als genug Sorgen, die Stress auslösen könnten, und dank der Unterstützung durch die Zoom-Meditationen gehe ich damit spürbar gelassener um.
Seit fast zwei Jahren bemühen wir uns um den Erhalt der Rechte am Buch Mumonkan – Die torlose Schranke mit den Kommentaren von Yamada Koun Roshi. Das Lehrmittel ist vergriffen und für unsere Zen-Linie wichtig, wir wollten es deshalb selber neu auflegen, ein Anliegen, das beim Verlag in lange Warteschlaufen gekommen und schliesslich versandet ist. Nun wird der Klassiker erfreulicherweise im Kösel Verlag neu aufgelegt und ist ab ca. Juni 2026 im Buchhandel erhältlich. Es gibt verschiedene andere Mumonkan-Ausgaben mit Kommentaren, etwa von Doris Zölls oder Sabine Hübner. Jedoch wird das Buch mit den Teishos von Yamada Koun, bei dem sich Pia Gyger und Niklaus Brantschen schulten, von den Weggehenden immer noch in den Dokusan-Raum getragen und nach dem Lösen der Koan mit Interesse gelesen.

Bericht von Kathrin Stotz
Unser fünftes Sesshin in der Casa Civetta wurde unerwartet zu einem langen Sesshin: Ausgelöst durch die grosse Nachfrage konnten wir dem ersten Sesshin nahtlos ein zweites anfügen, wobei einige Meditierende beide Sesshin besuchten. Am vertrauten Ort, in der einnehmenden Naturlandschaft des Valle Maggia, erlebten wir nach kurzer Zeit schon eine dichte klösterliche Atmosphäre. Das Haus mit seiner jahrzehntelangen meditativen Tradition wird vom Leiterehepaar Züllig der Sangha jeweils vertrauensvoll übergeben – wir sind darin ganz für uns und somit in tiefer Stille. Die Küche ist neben dem Zendo der zweite Brennpunkt der Casa Civetta – der Bauch der Eule sozusagen, von der es seinen Namen "Civetta" hat. Samu nach den Mahlzeiten bildet hier einen wichtigen Teil des Zusammenlebens und der Meditation. Den äusseren Rahmen bildeten die freundlichen Energien des Gartens mit seinen Kamelienblüten, dem Moosboden und dem Frühlingsgesang der Vögel. Kein Zen-Krampf, sondern ein vertrauensvolles Gelöstsein, das manch innere Einsicht und Öffnung schenkte.
Impressionen

In der SRF-Sendung "Longevity – Auf der Suche nach einem erfüllten Leben" findet Mona Vetsch (DOK) nach einer langen Reise ins Zendo Stäfa, wo Dieter Wartenweiler sie mit seinen Ausführungen zu einer erweiterten Sicht auf das Wesen des Menschen vom Gefühl des Ungenügens entlastet: Sie und Yves Bossart (Sternstunde Philosophie) haben sich ein Jahr lang dem Experiment unterzogen, mit einem Longevity-Programm nach einem längeren und gesünderen Leben zu suchen. Beide kommen zu einem ähnlichen Schluss wie Dieter Wartenweiler, der diese Zielvorstellung für eine kurzsichige Sichtweise hält, da sie das Ich verabsolutiert, zu Unfreiheit führt und den lebendigen Moment vepasst.
Link zur Sendung (Zendo Stäfa ab 1:25:45)

Erfahrungsbericht im ZenPuls 02/2026 von Christoph Müller
Am Ende der Ochsengeschichte wartet der Marktplatz. Ich betrat ihn während des verlängerten Zazenkais bei Peter Widmer in Basel. «Nehmt die Stadt als Übung», gibt er uns nach dem letzten Gongschlag mit auf den Weg. Als naiver Ochse bin ich mir nicht im Klaren über die Verhältnisse auf dem Claraplatz. Daher grosse Verwunderung, als mir dort Kokain angeboten wird. Dankend lehne ich ab und weise darauf hin, dass ich etwas anderes habe. «Was denn?» – «Zen.» – «Wo gibt’s denn das?» – «Dort drüben im Zendo», entgegne ich und gehe weiter. Um die Ecke: mein Self-Check-in-Hotel. Zwei Damen machen mir ein explizites Angebot – um meine Anhaftungen zu prüfen. «Danke, ich ziehe Zen vor.» – «Wirklich?» – Schwer zu sagen, denke ich, und gehe meines Weges. Der Marktplatz ist mein Tempel.
Am 5. Februar hat sich die Lehrenden-Sangha im Wettinger Rebberg Zendo zu einem intensiven Austausch getroffen. Die beiden Rōshi Niklaus Brantschen und Dieter Wartenweiler bekundeten dabei ihren Beschluss, die Führung der Zen-Linie vollumfänglich den Sensei zu übergeben. Sie ziehen sich nach Jahren des tragenden Engagements altershalber aus der operativen Leitung und der spirituellen Prägung der Zen-Linie zurück. Die Ernennung von neuen Rōshi erfolgt gemäss der alten Zen-Tradition aber weiterhin durch den Zen-Meister nach eigenem Ermessen. Niklaus, dem Gründer der Zen-Linie (zusammen mit Pia Gyger) und Dieter, seinem Nachfolger, gilt unser grosser Dank für alles Vollbrachte und für die vertrauensvolle Weitergabe!
Nach dem Beschluss des definitiven Generationenwechsels haben die acht Sensei in einem konstruktiven Brainstorming Ideen für die Stärkung und Belebung der Linie gesammelt. So sind etwa ein Sangha-Treffen und eine Publikation zu Geschichte und Geist der Zen-Linie angedacht. Zwei weitere Treffen in diesem Jahr werden der Intervision, der Erneuerung der Koan-Schulung und der Lehrfreiheit, verbunden mit verbindlichen Grundzügen des Zen- und Lehrverständnisses dienen.

KLAUS-PETER WICHMANN
Zazenkai (1 Tag) im Bethaus Wiedikon, Zürich, 2026
URSULA POPP
Sesshin in der Propstei Wislikofen, 09. bis 14. Aug. 2026
Zen und Atem in der Propstei Wislikofen, 14. bis 19. Nov. 2026
KATHRIN STOTZ
Zen Forum Zürich in der Bühne S, Zürich, 3. Kursjahr 2026
ROLAND HISCHIER
Sesshin im Hotel Ofenhorn, Binn, 18. bis 22. Okt. 2026
JÜRG HELDSTAB
Sesshin im Berghotel Sterna, Feldis, 23. bis 27. Nov. 2026
Alle Kurse

Impuls von Kathrin Stotz
Viele junge und nicht wenige ältere Menschen sinnen in diesen Zeiten des Umbruchs und der Unsicherheit über den Sinn des Lebens nach. Die Sinnfrage kann zur Basis werden, von der aus wir die spirituelle Dimension des Lebens erkunden, und Zen ist ein mögliches Zugangstor dafür. In der jahrhunderte alten Tradition der Sinn-Erfahrung, als die man Zen auch bezeichnen kann, werden die Suchenden stetig auf das "Sosein" verwiesen – in vielen Koan wird es vor Augen geführt: "Schau, es ist genau dies, genau hier, vor deinen Augen!" Sinn entsteht, wenn wir selbstvergessen eins sind mit dem vor Augen Liegenden, dem jetzt Sichtbaren, Hörbaren, Spürbaren, eins auch mit dem Menschen, der gerade vor uns steht. Die Flüchtigkeit aller Phänomene ist dabei kein Hindernis, sondern der Schlüssel zum innigen Kontakt, zum nahtlosen Zusammensein. Die Einladung ist, sich nicht zu abstrahieren, sich nicht fernzuhalten, das Misstrauen abzulegen. "Es ist lebendig, lebendig", ruft uns Zen-Meister Joshu zu. Überall, jederzeit, da du ja lebst!

In unseren Kurshäusern und Zendos bieten wir Zen-Einführungskurse unterschiedlicher Länge an. Längere Zen-Einführungen ermöglichen dir bereits beim Einsteigen tiefer gehende Erfahrungen des Sitzens. Je nach Wohnort und zeitlichen sowie finanziellen Ressourcen können dir auch die eintägigen Kurse oder die Kurzeinführungen in den Zendo einen guten Einstieg ins Zen bieten. In allen Kursen wirst du von den Zen-Lehrenden beraten, welche Folge-Kurse für dich passen, und welche Voraussetzungen für längere Kurse wir empfehlen.
Mit diesen Links kannst du dich auf die Zen-Einführungen einstimmen:
● Die Broschüre ZUGANG ZUM ZEN unterstützt mit Ausführungen zur Geschichte des Buddhismus, zum Schulungsweg und zur geistigen Ausrichtung der Zen-Linie einen guten Einstieg in die Praxis der Meditation.
● Im KURZ-FILM ZUR PRAXIS DES ZAZEN ZU HAUSE lernst du Elementares zum Sitzen in Meditation.
● In der VIDEO-ZEN-EINFÜRUNG kannst du zu Hause in eine mehrstündige Zen-Einführung eintauchen.

Beitrag im ZenPuls 01/2026 von Dieter Wartenweiler
Vielen bringt der Jahreswechsel einen besinnlichen Moment des Innehaltens, der Rückschau auf das Vergangene und der Vorschau in das Neue. Auch im Kreis der Zen-Meditierenden begehen wir den Jahreswechsel besinnlich: dies mit 108 Gongschlägen, wie es in japanischen Tempeln üblich ist. Sie erinnern an die Aufgabe, unseren Geist von den 108 Begierden zu befreien, allen voran von den drei «Geistesgiften» Gier, Hass und Verblendung. So rezitieren wir auch regelmässig in den vier grossen Versprechen: «bonnō mujin, sei gan dan» – täuschende Gedanken und Gefühle sind grenzenlos, wir geloben, sie alle zu lassen.
Über Jahrzehnte erklangen die 108 Gongschläge in den Neujahrssesshin des Lassalle-Hauses, oft von Niklaus Brantschen geleitet. Nun, wo uns das Haus nicht mehr zur Verfügung steht, verteilen sich die Sesshin auf verschiedene Orte. Und zugleich rücken die Zen-Lehrenden näher zusammen, um gemeinsam den Geist aufrechtzuerhalten, der über so viele Jahre gewachsen ist. Dies wird nicht nur im Ausblick auf das kommende Jahr so sein, sondern weit darüber hinaus.
Mögen die 108 Gongschläge in unseren Herzen weiterklingen und uns in allem Kommenden begleiten. In diesem Sinne: von Herzen alles Gute zum Jahreswechsel!
Beitrag im ZenPuls 01/2026 von Roland Frick
Meister Dōgen (1200–1253), Begründer des Sōtō-Zen, zählt zu den grossen Stimmen der Religions- und Geistesgeschichte. Seine Schriften sind poetisch verdichtet, philosophisch präzise – für viele Leser*innen jedoch schwer zugänglich. Dieses Buch schliesst diese Lücke: Es führt fundiert in Dōgens Denken ein und erschliesst das Schlüsselkapitel «Genjōkōan» aus dem «Shōbōgenzō» Schritt für Schritt. Das «Genjōkōan» ist Gerüst und Essenz seines Werks und öffnet den Zugang zu einer Praxis, die verstanden und gelebt werden will. Zen-Meister Shōhaku Okumura, seit Jahrzehnten als Übersetzer und Lehrer tätig, bietet sowohl Anfänger*innen als auch Fortgeschrittenen klare Orientierung, feine Auslegung und praktische Anregungen. Eine Biografie Dōgens von Hee-Jin Kim ergänzt den historischen Kontext und vertieft das Verständnis.

Beitrag im ZenPuls 12/2025 von Peter Widmer
Stell dir vor, du kommst nach einem langen Arbeitstag nach Hause. Dein Geist ist voller Gedanken an unerledigte Aufgaben, Projekte und Sorgen. Diese Gedanken wirken wie ein dichter Schleier, der deinen Blick auf die Schönheit des Moments und die Stille in deinem Inneren verdeckt. Doch tief in dir, verborgen unter all diesen Schichten, liegt ein kostbares Juwel – die Essenz deines Selbst: rein, klar und leuchtend, gelassen, freudig und verspielt. Seit unserer Geburt ist es ganz natürlich da. Jedes spielende Kind ist darin eingebettet.

Beitrag im ZenPuls 11/2025 von Ursula Popp
Die wichtigste Übung im Zen ist, wie wir alle wissen, das Sitzen, Zazen. Doch wie kann sich diese Übung im Alltag, im Handeln, zeigen? Meister Dōgen hat im 13. Jahrhundert unzählige detaillierte Angaben dazu gemacht. Ich vermute aber, dass diese von wenigen Zen-Schüler*innen studiert werden, auch weil sie für ein monastisches Leben bestimmt sind. So kommt immer wieder die Frage auf, wie sich diese Übung im Alltag zeigt und Wirkung hat. Nicole Baden Rōshi hat in ihrem Vortrag an der Zen-Tagung ein zeitgemässes Schema dafür vorgestellt: AWARE.
A für Aware: Setze einen Anker in deine präsente Aufmerksamkeit.
W für Willkommen: Heisse die Situation genau so willkommen, wie sie jetzt ist.
A für Aktivierung: Rufe deinen höchsten Wert* hervor, um danach das Handeln zu planen.
R für Release: Lass all deine eigenen Vorstellungen von einem Resultat los.
E für Entstehende Handlung, die aus dem Obigen spontan entsteht.
* Unter «höchstem Wert» wird verstanden, wie ich im Idealfall handeln würde.
Um sich mit dieser Übung vertraut zu machen, kann man dieses Schema auf vergangene Ereignisse anwenden, um es dann in aktuellen Situationen anzuwenden.
Rückschau
Vom 25. bis 28. September 2025 fand im Landguet Ried bei Bern die Zen-Tagung unserer Linie statt, die von zahlreichen Interessierten besucht wurde. Geleitet von Peter Widmer, Ursula Popp und Jürgen Lembke, bot die Zusammenkunft ein reiches Programm mit Vorträgen und Workshops und wurde umrahmt von der Musik der Flötistin Silvia Berchtold. Gert Scobel, Nicole Baden, Christian Dillo, Angela Geissler, Manfred Rosen, Almut-Barbara Renger und Thomas Metzinger erläuterten nach einem Grusswort von Niklaus Brantschen und dem Eröffnungsvortrag von Peter Widmer ihre Thesen zu "Zen und die Zukunft".
Den Link zu den Videos der Vorträge, die ihr erwerben könnt, und den fortlaufend publizierten Blog-Beiträgen von Peter Widmer findet ihr auf der Tagungs-Webseite.

Eröffnung
In Schaffhausen hat ein neues Zendo seine Tore geöffnet, es trägt den Spiritus Loci im Namen: Ursula Popp leitet seit dem Herbst 2025 das Zendo am Rhy. Es bietet einer lokalen Sangha und Interessierten aus dem weiteren Umfeld mit einem breiten Angebot Raum für die stille Einkehr. Du kannst im Zendo am Dienstag Abend (19.30 bis 21.00 Uhr) und am Freitag Morgen (06.30 bis 07.30 Uhr) an der Zen-Meditation teilnehmen. Es werden auch eintägige Zazenkai und Zen-Einführungen angeboten. Die Webseite informiert dich zudem über die externen Kurse von Ursula Popp in der Propstei Wislikofen.
Webseite Zendo am Rhy, Schaffhausen
Bericht von Jürgen Lembke
Mitte September 2025 durfte ich im Alten Kurhaus Melchtal, wo ich früher wohnte, das lange September-Sesshin abhalten. Ursprünglich als Sonderformat im Programm des Lassalle-Hauses geplant, waren Teilnehmende eingeladen, entweder von Sonntag bis Sonntag oder am Donnerstag ein- oder auszusteigen. Obwohl ich unter der Leitung von Genro Gauntt Roshi dort schon manches Sesshin durchgeführt habe, war es etwas Besonderes, das Sesshin mit wenigen Modifikationen nach den Abläufen unserer Linie abzuhalten. Eine wichtige Neuerung war das gemeinsame Kinhin im Freien entlang der Melchaa, wo wir auch mal innehielten, um am Fuss eines Wasserfalls Zazen zu praktizieren. Dabei war ich mit den frühen Ch’an-Meistern verbunden, die in zahlreichen Tuschmalereien die Durchdringung von Absenz und Präsenz, Leere und Form wiederzugeben suchten.
Erfahrungsbericht von Nicole Zeiter

Bericht von Kathrin Stotz
Im Zendo Inneres Lind in Winterthur fanden am 21. September 2025 Interessierte zusammen, um an der ganztägigen Zen-Einführung teilzunehmen. In einem dichten Tagesprogramm wurden sie vertraut gemacht mit den Grundlagen des Zen-Buddhismus, dem Rahmen und den Angeboten der Zen-Linie, der Psychodynamik des Zen-Wegs und den Ritualen, Sutren und Abläufen, wie sie in unseren längeren Kursen gepflegt werden. Die neu ans Zen herangeführten Menschen werden nach dem Besuch des Einführungskurses in verschiedenen Zendo der Linie am Zazen unter der Woche teilnehmen. Sie haben auch die nötigen Voraussetzungen, um an Sesshin und Zazenkai mit dabei zu sein. Schön zu sehen war, dass alle Generationen sich begeistern lassen von Zen: junge Menschen in Ausbildung, die mittlere Generation, welche in Beruf und Familie gefordert ist, und die Generation am Übergang zur zweiten Lebenshälfte.

Rückschau
Am 20. September 2025 wurde das Zendo Balzers mit seinem Meditationsraum und dem Zen-Garten eingeweiht, Räumlichkeiten, welche in schöner Weise eine moderne Architektursprache mit der japanischen Tradition verbinden. Zugleich wurde die öffentliche Transmission von Roland Frick zum Zen-Lehrer vollzogen, geleitet von Dieter Wartenweiler Roshi. Bei schönstem Wetter fanden zahlreiche Gäste im und um das neue Zendo Raum. Wir wünschen der Sangha von Balzers ein inspiriertes Zazen und für die Zukunft mit Zazenkai und Sesshin einen dichten und innigen Zen-Weg, begleitet vom frisch autorisierten Sensei Roland Frick.

Beitrag im ZenPuls 08/2025 von Mulan Sun Buschor
In einem Zen-buddhistischen Tempelviertel in China bin ich bei meinen Grosseltern aufgewachsen. Jeden Morgen weckte mich der Gong des Dabei-Yuan-Tempels. Über unserem Teetisch hing eine Kalligrafie: Chan und Tee in einer Einheit. Ein einfaches Wort, doch seine Tiefe begann ich erst vier Jahrzehnte später wirklich zu begreifen. 2005 führte mich mein Weg in die Schweiz, zum Architekturstudium an der ETH Zürich. Ich stellte mir oft die Frage: Wozu baue ich? Wie kann materielle Architektur immaterielle, spirituelle Räume erschaffen? Durch die Gestaltung und Realisierung von Teeräumen fand ich erste Antworten. 2014 begann ich bei Soyu Mukai Sensei den japanischen Teeweg (Chado) zu lernen, und 2024 erhielt ich den Teemeistertitel der Urasenke-Schule sowie meinen Tee-Namen Sōbō. Heute unterrichte ich neben meinem Beruf als Architektin und Architekturdozentin auch die Teezeremonie. Doch meine Reise in der Einheit von Chan und Tee geht weiter. 2024 fand ich endlich den Ort, den ich lange gesucht hatte – nur 200 Meter von meinem Zuhause in Winterthur entfernt: bei Kathrin Stotz Sensei im Zendo Inneres Lind. Ich sitze wieder wie im Haus meiner Grosseltern, doch fühle mich wie neugeboren, rieche das Räucherstäbchen, höre den Gong, bete vor dem Buddha.
“Man fragt sich, ob es im Süden nicht schön sein kann, aber ich sage: Wo das Herz Frieden findet, da ist meine Heimat.” Chinesischer Dichter Su Shi (1037-1101)

Niklaus Brantschen Roshi ist im Austausch mit seiner Nichte in Kontakt gekommen mit dem Schamanismus und hat dabei eine Lebenshaltung kennengelernt, die geprägt ist von Verbundenheit mit der Natur und der ganzen Welt, von einem achtsamen Umgang mit den Ressourcen der Erde und von liebevoller Sorge für die Mitmenschen und Mitlebewesen. Neugierig begibt er sich auf Spurensuche und erzählt in diesem Buch von den unterschiedlichen Begegnungen mit schamanischer Weisheit. Sein Fazit lautet: Schamanische Weisheit führt zu den Urquellen der Spiritualität.


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